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Allein sein

Mit starrem Blick und zusammen gekniffenen Lippen sah sie auf die Straße. Autos fuhren an ihr vorbei. Einige langsam, die anderen schnell. Manche der Fahrer sahen traurig aus, andere glücklich. Sie fragte sich, warum es nur das eine oder das andere gab. Langsam oder schnell. Traurig oder glücklich. Einsam oder... sie hielt inne in ihrem Gedanken. Gab es überhaupt ein treffendes Wort für das Gegenteil von Einsamkeit? Gemeinsam, vielleicht, überlegte sie. Aber ‚gemeinsam’ drückte es nicht richtig aus. Zumindest war es kein Wort, was sie für passend empfand.
Schließlich konnte man ‚gemeinsam’ für vieles benutzen. Gemeinsam ein Spiel spielen. Gemeinsam Abendessen. Gemeinsam ins Kino gehen. Sicher, bei keiner dieser Aktivitäten war man allein, zumindest auf den ersten Blick nicht. Wenn man genauer hinsah, nicht mit den Augen, sondern mit den Gefühlen, dann hieß gemeinsam wohl nicht gleich nicht einsam zu sein. Wie oft hatte sie sich schon einsam gefühlt, während sie mit ihrer kleinen Schwester irgend ein Kartenspiel gespielt, mit ihrem Vater bei Mc Donald zu Abend gegessen oder sich mit ihrer Mutter im Kino eine ihrer geliebten Action Filme angeschaut hatte. Bei diesem Gedanken musste sie lächeln. Das nächste Mal wäre sie dran gewesen, den Film auszusuchen. Das ‚wäre’ in ihrem Gedanken ließ sie unwillkürlich zusammen zucken. Nicht, dass man das jetzt falsch verstand, das Lächeln war keineswegs ein Lächeln von Glücklich- oder Fröhlichkeit gewesen. Es war eher eins dieser in- Gedanken- an- die- alten- Zeiten Lächeln. Fünf Jahre lag es jetzt schon zurück. So oft hatte sie versucht alles hinter sich zu lassen, noch einmal von vorne anzufangen. War umgezogen, weil sie sich gedacht hatte, dass es an anderen Orten vielleicht besser werden würde. Nichts hatte es gebracht und wie so oft wünschte sie sich auch diesmal, dass keiner da gewesen wäre um sie zu „retten“. Der Schmerz durchzog ihre Brust so sehr, dass sich ihr Herz zusammen krampfte und sie für einen kurzen Moment das Gefühl hatte sich vor Schmerzen krümmen zu müssen. Die salzigen Tränen stiegen ihr in die Augen und als eine sich den Weg nach draußen gefunden hatte und über ihre Lippen floss, brannte es wie Feuer. Sie dachte daran, wie die Flammen aus dem Auto empor gestiegen waren, wie ihre Schwester geschrieen hatte und wie ihr schwarz vor Augen wurde. Daran, wie sie aufgewacht war und überall Schläuche an ihrem Körper hingen und der Arzt ihr die Nachricht mit seinem nüchternen Blick überbracht hatte.
„ Ihre Schwester und ihre Mutter sind beide im Auto verbrannt, ihr Vater ist an der Unfallstelle, an seinen schweren Verbrennungen gestorben. Nachdem sie mit dem Auto gegen den Baum gefahren sind, hat das Auto angefangen Feuer zu fangen. Lassen sie mich hierbei erwähnen, dass dies nicht ihre Schuld war, sie wurden von der Fahrbahn abgedrängt, also machen sie sich bloß keine Vorwürfe. Es tut mir Leid.“ Das waren seine Worte gewesen. Keine Vorwürfe machen, dachte sie spöttisch und versuchte ihre Tränen wegzublinzeln. Das es ihm leid tat, hatte sie ihm nicht wirklich geglaubt. Es sollte doch ein ganz normaler, schöner Tag werden. Ein Familien Ausflug. Sie durfte das erste Mal allein ans Steuer. Sie war aufgeregt gewesen.
Damals, als sie mit ihrer Schwester Karten gespielt hatte, mit ihrem Vater bei Mc Donald oder mit ihrer Mutter im Kino war, hatte sie oft das Gefühl allein zu sein. Allein mit ihren Gedanken, allein mit ihren Problemen, die, wie sie dachte, sowieso keiner verstand. Jetzt wusste sie, dass das alles nicht zu vergleichen war, mit dem jetzigen Gefühl des allein seins. Wenn man jetzt zurück schaute, dachte sie, war sie auf den dritten Blick nicht einsam gewesen. Alle wären für sie da gewesen und hätten versucht sie zu verstehen, wenn sie es nur zugelassen hätte.
Sie setzte sich in ein Taxi, dass mittlerweile am Straßenrand gehalten hatte und hoffte, dass, falls es wieder passieren sollte, nicht sie, sondern der Taxifahrer verschont blieb, denn nun wusste sie, jetzt war sie einsam. Auf den ersten, auf den zweiten und auch auf den dritten Blick.
17.4.09 16:05
 


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